Was haben Erdgeschichte und unser Supervulkanismus mit einem Onlinegame gemeinsam? In Form des Obsidians begegnet Rhyolith Millionen von Menschen täglich auf dem Bildschirm. In Minecraft, einem erfolgreichen Videospiel, ist Obsidian eines der begehrtesten, weil härtesten Materialien mit hohem Explosionswiderstand. Was online fasziniert, hat im Nationalen Geopark Porphyrland einen sehr realen geologischen Ursprung:
Der Berufsverband Deutscher Geowissenschaftler (BDG) e.V. kürte jüngst Rhyolith zum Gestein des Jahres 2026.
Entstehung und Vorkommen
Rhyolith ist ein faszinierendes magmatisches Gestein aus der Gruppe der Vulkanite. Er entsteht, wenn saure Magmen an die Erdoberfläche aufsteigen und dort abkühlen. Rhyolith zählt deshalb zu den silikatreichen Vulkaniten und bildet das vulkanische Äquivalent des Granits.
Der Begriff „Rhyolith“ wurde 1860 von Ferdinand von Richthofen geprägt, er leitet sich aus den griechischen Wörtern ῥεῖν (rhêin) – „fließen“ und λίθος (líthos) – „Stein“ – ab. Historisch und im Alltagsgebrauch, sowie in der Natursteinindustrie, wird Rhyolith vielfach auch als Porphyr oder Quarzporphyr bezeichnet. Doch Rhyolith kann weit mehr als digitale Spielewelten prägen.
Noch heute werden wir Zeugen seiner Bildung. Insbesondere seine explosive Entstehung mit verheerenden pyroklastischen Strömen und gigantischen Aschewolken ist gleichermaßen faszinierend wie furchterregend. Der rhyolithische Vulkanismus zeichnet sich vor allem durch explosive Ausbrüche aus, bei denen pyroklastische Ströme und riesige Aschewolken entstehen. Die Eruptionsmechanismen können teils katastrophale Ausmaße annehmen und prägen oftmals eine charakteristische Landschaft. Unbedingt erwähnt werden muss der Ausbruch des Vesuv im Jahre 79 n. Chr., der die Stadt Pompeji unter einer Glutlawine verschüttete.
Mineralische Zusammensetzung
Mineralogisch besteht der Rhyolith überwiegend aus Quarz und Feldspat, insbesondere Alkalifeldspat. Als Begleitminerale können Biotit, Amphibol oder Pyroxen auftreten. Das Gestein zeigt meist helle Farben grau, gelblich, rötlich oder rosa – abhängig von der Zusammensetzung und dem Oxidationsgrad der Minerale. Charakteristisch sind auch fließartige Strukturen, die innerhalb von Lava- oder beim Ablagern von pyroklastischen Strömen entstehen.
Relikte des Vulkanismus finden sich heute in Form von Rhyolithen in Deutschland, beispielsweise im Schwarzwald, im Saar-Nahe-Becken, im Odenwald, im Thüringer Wald. Mit einer Gesamtfläche von über 2.000 Quadratkilometern ist der Nordsächsische Vulkanitkomplex aber das größte aufgeschlossene Calderensystem Mitteleuropas aus dieser Epoche. Er besteht aus zwei mächtigen Ignimbritabfolgen, dem Rochlitz- und dem Wurzen-Ignimbrit (Rochlitz + Wurzen Caldera), die aus Glutwolkendecken gigantischer Eruptionsereignisse hervorgegangen sind.
Welterbestein
Der Rochlitzer Porphyrtuff, ein Rhyolith, wurde im November 2022 von der International Union of Geological Sciences (IUGS) als erstes Gestein Deutschlands zum „Heritage Stone” und damit zum „Naturstein-Welterbe” ernannt. Der Rochlitzer Porphyrtuff diente zahlreichen historischen Bauwerken als Baustoff.
Verwendung
In der Antike entwickelte sich der Porphyr, insbesondere der rote Porphyr aus Ägypten, zu einem Gestaltungsmerkmal herausgehobener Herrschaftsbereiche, zum „Stein der Kaiser“, der nur für die Bauten und Einrichtungsgegenstände der Mächtigsten verwendet werden durfte.
Bekannte Beispiele für die Verwendung dieses charakteristischen Gesteins sind die Basis des Grunewaldturms, der Bärenbrunnen in Berlin sowie das Grabmal von Immanuel Kant im heutigen Kaliningrad. Unzählige Kriegsdenkmale in ganz Deutschland wurden daraus gefertigt. Auch auf der exklusiven Shopping Malls Hamburgs, der „Neue Wall“ ist Rochlitzer Porphyr vertreten.
In unserer Region finden wir den herausragenden Schmuckstein z.B. in den Städten Grimma (Pöppelmannbrücke), Rochlitz (Stadt des Roten Porphyr), an der Basilika Wechselburg, am Schloss Rochlitz, Burg Mildenstein Leisnig, Friedrich-August-Turm auf dem Rochlitzer Berg und dem dortigen Geoportal Porphyrhaus.
Aktuelleres Beispiel für die Verwendung ist die Neue Probsteikirche St. Trinitatis in Leipzig.
Die wirtschaftliche Bedeutung des vergleichsweisen harten und widerständigen Rhyoliths beruht darüber hinaus auf seinem Einsatz im Straßenbau, als Bahnschotter, als Betonzuschlag und als Wasserbaustein.
Text: Berufsverband Deutscher Geowissenschaftler e.V. (BDG) / Geopark Porphyrland
Fotos: Dr. J. Rascher / Rochlitzer Muldental / M. Lapp, LfULG / Propsteigemeinde St. Trinitatis Leipzig / Geopark Porphyrland/Natasha Allner

