Ein kurzfristiger Arbeitsplatz in der „Erlebniswelt Kaolin“

Experimente kenne ich aus der Schule und dem „wirklichen Leben“. Ich mag es, Visionen in der Realität zu erproben und Wagnisse einzugehen… So teste ich für zwei Tage eine Art Coworking im Geoportal Bahnhof Mügeln und richte meinen Arbeitsplatz im ehemaligen Bahnhofsgebäude ein. Im Gepäck: Laptop, Kamera und Kopfhörer. Die werde ich brauchen – für die anstehende Videokonferenz, eine ZENAPA-Schulung, und, weil Kerstin Helbig mit einer Gruppe Hortkinder innerhalb der kommenden zwei Stunden die Dauerausstellung „Erlebniswelt Kaolin“ erkunden wird und altersgerecht erlebbar macht.

Testballon – Coworking

Im Geopark Porphyrland bin ich seit Anfang Februar für die Projektvorhaben Aller.Land, ZENAPA und die Unterstützung der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit zum Team dazugekommen. Drei Tage in der Woche fahre ich dafür in die Geschäftsstelle nach Grimma. Der Plan: mittwochs und donnerstags arbeite ich ohne lange Anfahrt über die staufreudige A14, ohne Festnetzanschluss und leider auch ohne meine bereits liebgewonnene Französische Kaffeemaschine (die zum Drücken!) quasi von „zu Hause“ aus. Auch, wenn das eigentlich rund vier Kilometer weit entfernt ist.

Kulturmanagerin, Georangerin, Tourismusheldin

Kerstin ist Georangerin im Geopark Porphyrland und Tourismus- und Kulturbeauftragte der Stadt Mügeln in Personalunion. Von Mittwoch bis Sonntag agiert sie beruflich im Geoportal Bahnhof Mügeln inklusive der Erlebniswelt Kaolin. Das Gebäudeteil des ehemals größten Europäischen Schmalspurbahnbahnhofes wurde umgestaltet und im August 2019 neu eröffnet. Hier kommt man aus dem Staunen nicht mehr heraus. Hier wird Geologie begreifbar und Stein quasi lebendig.

Ausstellung auf zwei Etagen

Exponate, wohin das Auge schaut. Installationen, Filme und vieles mehr stellen die Entstehungsgeschichte und den Kaolinabbau sowie die Verwendung des Materials anschaulich dar. Die Hortkinder toben durch die vorbereiteten Spiele und das Anschauungsmaterial. Immer wieder schwappen Kinderfragen in meine kleine Arbeitsecke im Obergeschoss. Unten sprechen sie über Ammoniten, Vulkanausbruch, Dinosaurier und Co. Oben blicke ich aus dem Fenster auf das Bahnhofsgelände der Döllnitzbahn; vorn die Hauptstraße, hinten der Lokschuppen des Wilden Roberts, vor mir die Laptoptastatur.

„Außenministerin“ für alle

Kerstin, Chefin der heiligen Räume des Geoportals, betreut die „Erlebniswelt Kaolin“, spricht mit Mügelnern wie Touristen, führt als Georangerin durch die Kaolinregion und trägt das Herz für ihre Wahl-Heimatregion auf der Zunge. Nebenbei entwickelt sie Wanderrouten für Kinder und Familien. Sie ist Basis und Leuchtturm zugleich. Man darf sie gern als „Außenministerin“ – eine von zahlreichen engagierten innerhalb des Systems Geopark Porphyrland – verstehen. Kerstin, ihre Kolleginnen und Kollegen, tragen die Essenz und die Idee Nationaler Geopark nach außen, in eine breite Öffentlichkeit. „Manchmal denken meine Gäste, das ick der Geopark bin“, sie lacht und ist sich der Verantwortung bewusst, dass die richtige Wahrnehmung ihrer Arbeit auf alle und alles im Porphyrland zurückstrahlt. Die Auszeichnung „Tourismusheldin“ trägt eine Macherin wie sie zu Recht.

„Coworking“

Mein Space hier misst vielleicht 16 Quadratmeter, offener Raum. Ich sitze bequem an einem runden Tisch. Ein zweiter hinter mir, darauf Monitor, Festplatte und Tastatur. Das Internet funktioniert super. Ich arbeite entspannt inmitten von Wissen und Inspiration. Vielleicht ist es das erste Mal, dass jemand die Gelegenheit nutzt, um hier zu sitzen und an Projekten zu wirken. Für mich wird es sicher nicht das letzte Mal gewesen sein. Ich bin dankbar, für die Möglichkeiten.