Methodenaustausch und Perspektiven für den Geopark
Erfahrungsaustausch und neue Bildungsansätze in Leipzig
Am 6. Oktober versammelten sich Bildungs-Akteure und GeoRanger des Geoparks im GRASSI Museum für angewandte Kunst Leipzig zur BNE-Kompetenzwerkstatt unter der fachlichen Leitung von Sabine Wohlfarth. Für die Geoerlebniswerkstatt Leipzig nahmen Ronny und Martin teil.
Im Zentrum der Veranstaltung standen der intensive Austausch über innovative Methoden der Vermittlungsarbeit sowie die Weiterentwicklung von Bildungsangeboten im Sinne einer Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE).
Die Kompetenzwerkstatt bot den Teilnehmenden vielfältige Gelegenheiten, praxiserprobte Konzepte der außerschulischen Lernortgestaltung kennenzulernen. Neben dem kollegialen Dialog erlangten die Anwesenden wertvolle Einblicke in die Vermittlungsansätze des Völkerkundemuseums Leipzig. Die dort eingesetzten museumspädagogischen Methoden veranschaulichen, wie komplexe geschichtliche und gesellschaftliche Zusammenhänge für unterschiedliche Zielgruppen verständlich aufbereitet werden. Diese Erkenntnisse liefern wertvolle Impulse, um auch die geotouristischen Führungen und Umweltbildungsangebote im Geopark Porphyrland künftig noch erlebnisreicher zu gestalten.
Das Kunstprojekt „Berge versetzen“ und seine Geschichte
Einen Höhepunkt des Treffens bildete die praktische Mitarbeit im Workshop „Berge versetzen“, welcher eng an die gleichnamige Ausstellung im GRASSI Museum gekoppelt ist. Das Kunstprojekt entstand in Kooperation des Künstlerkollektivs PARA mit den Künstlerinnen Rehema Chachage und Valerie Asiimwe Amani. Das Vorhaben thematisiert kolonialgeschichtliche Raubkunst anhand einer prägenden historischen Begebenheit: Im Jahr 1889 trennte der Kolonialgeograph Hans Meyer während einer Expedition die Spitze des Kilimandscharo im heutigen Tansania ab. Den Gipfelstein spaltete er anschließend in zwei Hälften. Während ein Teil Kaiser Wilhelm II. übergeben wurde und heute als verschollen gilt, verblieb die zweite Hälfte im Inventar eines österreichischen Antiquariats zum Verkauf.
Um auf dieses Unrecht aufmerksam zu machen und die Rückgabe des Gipfelsteins einzufordern, initiierte das Kollektiv PARA eine Aufsehen erregende Intervention. Zur Finanzierung des Vorhabens stellt die Gruppe 2.000 Repliken des Gipfelsteins, sogenannte „Skrupel“, her und veräußert diese. Zugleich erhöhten die Aktionskünstler am 17. September 2021 den Handlungsdruck, indem sie die obersten sechs Zentimeter der deutschen Zugspitze abtrennten. Dieser Bergabschnitt liegt seither als symbolische Geisel im Safe der Ausstellung im zweiten Obergeschoss des Museums. Eine Wiedervereinigung der Zugspitze erfolgt nach dem Konzept der Künstler erst dann, sobald der originale Gipfelstein des Kilimandscharo an seinen Ursprungsort zurückgekehrt ist.
Aktive Mitarbeit und Termine im GRASSI Museum
Im Workshop beteiligten sich die Teilnehmenden an den symbolischen Schritten zur Befreiung der Kilimandscharo-Spitze. Die gelungene Verbindung von Geografie, Kolonialgeschichte und aktiver Vermittlung bewies eindrucksvoll, wie emotionale Zugänge zu BNE-Themen geschaffen werden.
Die Ausstellung im 2. Obergeschoss des GRASSI Museums ist jeden Sonntag von 10:00 bis 17:00 Uhr geöffnet. Am 13. Dezember 2026 lädt das Museum von 10:00 bis 17:00 Uhr zum Aktionstag „Wir versetzen die letzten Berge“ mit offenem Workshop und Kurzführungen ein, bevor das Projekt am 31. Januar 2027 mit einer Abschlussperformance endet.
GRASSI Leipzig – Kunst & Design in Leipzig entdecken | GRASSI Museum für Angewandte Kunst
(c) Fotos: R. Löffler / Geopark Porphyrland

